Was es mit der „Brust-OP“ auf sich hatte

Ich habe (immer noch) Krebs. Ist nichts neutes. Ich habe da schon Mal drüber geschrieben. Ich mache da keine zu große Sache draus, auch wenn ich immer wieder mal Angst vom Sterben habe. Wenn dann aber alle auf mich zu rennen und „Das wird schon“ sagen, wird es meist eher schlimmer als besser, also erwarte ich von meinem Umfeld, dass es mich behandelt wie einen ganz normalen Menschen und da keine große Sache daraus macht. Also gehe ich jetzt nicht länger an den Krebs selbst ein, sondern werde mich viel mehr auf die letzte „OP“ beziehen.

Es fing an mit einem Muttermal

Seit ich mich erinnern kann hatte ich auf der linken Brust im Dekolletébereich ein Muttermal. Es war früher ganz flach und klein, ist das mit den Jahren in der Fläche größer geworden und irgendwann hat es sich auch gewölbt, was weder angenehm ist, wenn man daran hängen bleibt noch besonders atraktiv aussieht (wie ich finde). Doch darüber habe ich die letzten 10 Jahre hinweg gesehen. Es ist schließlich ein Teil von mir und gehört irgendwie dazu und ich habe mich schlicht daran gewöhnt. Mit 16 oder 17 Jahren wollte ich es mal entfernen lassen – aus rein Kosmetischen Gründen – doch der Arzt klärte mich darüber auf, dass Narben im Brustbereich besonders oft und gerne wuchern, was letzten endes dann vermutlich viel schlimmer aussehen wird als das Muttermal selbst. Nun drängt sich einem die Frage auf, warum ich es nun doch habe entfernen lassen und wie das mit Krebs zusammen hängt. Das Muttermal hat angefangen zu schmerzen. Es fühlte sich an, als wäre es mit Nadeln gespickt und jede Bewegung war nicht nur unangenehm sondern verdammt schmerzlich. Da ich nun eine Krebsvorgeschichte habe, haben bei mir alle Allarmglocken auf einmal geklingelt und ich habe mir für den 13.06. einen Termin bei der Hautärztin meines vertrauens geben lassen. Sie klärte mich darüber auf, dass das Muttermal vollkommen normal aussieht und sie es einfach in ruhe lassen würde, vor allem in der Hinischt darauf, dass dieser Bereich schlimme Narben gibt. Da ich aber schon seit über einem Monat mit Schmerzen rumlief die mich in den Bereich der Verzweiflung brachten war mir das Egal. Sie ließ sich von mir bestätigen, dass ich dem Eingriff im vollen Bewusstsein der Risiken zustimme und schon hatte ich einen OP-Termin.

Die OP

Die OP war am Dienstag, den 17.06. um 18.20 Uhr. Ich bin in die Praxis gefahren und da Frau Doctor ungerne selber schneidet, kam ich bei ihrem Kollegen unters Messer. Der schlimmste und gleichzeitig schönste Momment solcher ambulanten OPs ist immer die örtliche Betäubung. Ja, es tut weh wärend der Arzt mit der Spritze unter der Hautoberfäche hin und her fährt, so dass man beinahe denken könnte, dass er den Bereich großflächig mit der Nadel zu entfernen versucht, doch dann setzt die Betäubung ein und der Bereich ist einfach komplett weg! Und dann kam der erste Schock. Der Bereich in dem geschnitten wird wurde eingezeichnet und ich habe zum ersten Mal gesehen, dass die Narbe die entstehen würde, eine länge von 5cm haben wird. Ich würde lügen wenn ich sagen würde, dass ich mir die ganze Sache nicht nochmal überlegt habe, aber da war schon das Skalpel längt im Einsatz und ich merkte wie der Arzt da rumzog und rumzupfte. Was man nicht hören möchte, wenn man auf dem OP-Tisch liegt und bei bewusstsein ist ist der Satz: „Meine Güte, geht das Ding tief!“ Auf nachfrage wurde mir dann erklärt, dass solche Art Muttermale gerne „Wurzeln“ hat, und wenn man diese nicht mit entfernt kommt es gerne wieder. Dann ging es mit dem Nähen los und da hat sich der liebe Arzt sehr viel Zeit gelassen, wofür ich ihm sehr dankbar bin, denn als ich nach 30 Minuten an mir herabblickte sah ich nur eine blasse Linie, die grob andeutete wo denn der Schnitt in etwa gewesen ist.  Ich habe dann ein Infoblatt zur Narbenvermeidung bekommen, Silikonplaster, Gebrauchsanweisung für jene, Druckpflaster und mehrfach wiederholte hinweise, dass sobald der Bereich irgendwie seltsam aussehen sollte ich sofort in die Praxis kommen soll, denn man kann ein Narbenwuchern anscheinend gut vermeiden, wenn man es früh genug erkennt.

Nach der OP

Ich wurde auch darauf hingeweisesen, dass ich die linke Seite nicht zu doll bewegen soll, am besten erstmal keinen Sport machen und es im allgemeinen „ruhiger angehen lassen“ soll. Ich hab also ein Dreieckstuch aus dem Medizinkasten der noch im Kofferraum lag geholt (keine Sorge, der Kasten war eh abgelaufen und wir haben schon lange einen neuen), und habe mir meinen linken Arm – so zu sagen –  um den Hals gehängt. Dies hat zweierlei zur Folge gehabt: Zum einen habe ich festgestellt, dass so ein Arm verdammt schwer ist, wenn er so leblos rumhängt und zum anderen waren die Schmerzen weitensgehend weg, weil sich der linke Brustmuskel endlich entspannt hat.

Einhändig bei der Arbeit

Es ist schwierig alles mit einer Hand machen zu müssen. Es ist noch viel schwieriger alles mit der Rechten machen zu müßen, wenn man Linkshänder ist. Das ging so weit, dass ich häufiger meine Hand aus dem Dreieckstuch raswühlte, nur um wenige Augenblicke später festzustellen, dass es eine verdammt dumme Idee war und es dann zu bereuen. Doch Heute hatte ich die Schnautze voll. Heute habe ich wieder angefangen beidhändig zu agieren. Natürlich merke ich, dass es eine dumme Idee war, aber glücklicher weise habe ich häufig mein Tagespensum schon vor 12.00 erreicht und kann den rest des Tages sehr entspannt verbringen. Häufig ist es genau das, was mich an meinem Job am meisten nervt, doch in situationen wie dieser, ist sowas wirklich Gold wehrt!

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