Am Brunnen von Dalaran saß ich und weinte

So ein Blog ist wie ein kleines Kind. Andauernd will es gefüttert werden. Ich war nun die letzten Wochen krank und hatte nur Pudding im Kopf, also tat ich das, was man immer tut wenn man krank ist und im Bett liegt: Ich habe angefangen World of Warcraft zu spielen. Ich weiß nicht, ob es mir bei der Genesung geholfen oder mich eher gehindert hat, aber so eine kurze Realitätsflucht (denn zehn Stunden am Tag im Spiel zu sein kann ich nicht anders betiteln) ist auch mal etwas Feines. 

Krank macht traurig

Normalerweise habe ich das Problem, dass mehrere Tage Bettruhe bei mir gerne dazu führen, dass sich die Depression einnistet und breit machen möchte. Ich würde gar sagen, dass ich dieses Problem in neun von zehn Fällen habe. Dieses mal jedoch ist es ganz anders gelaufen. Ich war Zuhause, ich lag im Bett rum, ich war nicht einmal richtig in der Lage etwas zu kochen ohne mich mehrfach hinsetzten zu müssen vor Erschöpfung und doch habe ich die letzten Tage unzählige Abenteuer erlebt und menschliche Interaktionen gehabt, ohne dass es mich körperlich angestrengt hätte.

Und ich hatte dabei größtenteils sogar Spaß. Ich habe vor Jahren schon einmal WOW gespielt und sehr viel Zeit und Energie hinein gesteckt. Leider hatte ich damals noch das Problem gehabt, dass ich nichts Sinnvolleres mit meinem Leben anzufangen wusste, also hat das Spiel es recht zügig geschafft mich zu fesseln und nicht wieder los zu lassen. Ich hatte also bedenken, dass ich u.U. wieder in die Sucht tappen könnte, dass ich meinen Job verliere, weil ich nichts anderes mehr tue als zu spielen und, dass ich fett werde und mein Mann mich verlässt und ich dann nichts mehr im Leben habe als das Spiel und mein Leben zu Ende geht. Doch nach einer Woche im Spiel (ich habe mir einen neuen Account zugelegt, da ich meine alten Zugangsdaten nicht mehr wusste und die Mail-Adresse nicht mehr kannte) und nach zwei Wochen im Bett muss ich ehrlich sagen, dass ich erstmal genug von Azeroth habe.

Erfolge machen glücklich

Ich habe zum einen meinen Charakter bis Level 83 geschubst, zum anderen aber auch den einen oder anderen Erfolg mitgenommen. Wie zum Beispiel, als ich an dem Brunnen von Dalaran mehrere Stunden geangelt habe um die gefühlt 500 Münzen zusammen zu bekommen, die man für den Erfolg braucht. Doch irgendwie hat es alles nicht mehr so viel Spaß gemacht wie damals. Im Grunde hat sich nicht viel verändert. Es dauert immer noch ewig um irgendetwas zu bekommen, alles ist teuer und manchmal wird man zehn mal hintereinander in den gleichen Dungeon teleportiert, wenn man den Dungeonfinder benutzt. Es ist eine Gratwanderung zwischen dem was Spaß macht und dem, wo man eben durch muss. Und dann kam noch der Patch und alles woran man sich grad noch gewöhnt hatte ist plötzlich futsch und das Spiel ist plötzlich wieder unausgeglichen und anstrengend. Und plötzlich kommt diese freundliche Mitteilung, dass man einen Erfolg errungen hat und schon ist man am Grinsen und Sich-Freuen – vor allem wenn man so etwas Fieses tut, wie mehrere Stunden lang Münzen aus einem Brunnen zu angeln.

So oder so habe ich nun meine Krankheit überwunden und meine WOW-Sucht offenbar auch, denn die paar Tage in dem Spiel waren zwar schön, aber irgendwann möchte man einfach zurück nach Hause.

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