150 Tote haben nicht gereicht

Es ist schon einige Zeit her, seit ein Co-Pilot seiner Depression zum Opfer gefallen ist und 149 weitere Personen mit sich in den Tod gerissen hat. Seit dem erheben sich immer mehr Stimmen, welche den Berufsverbot für Depressive in „verantwortungsvollen Positionen“ fordern. Ich kann mittlerweile nicht einmal mehr sagen, wie oft ich versuchte meinen Mitmenschen zu erklären, was Depressionen sind. Ich weiß auch nicht, wie wenige meiner Gesprächspartner wirklich verstanden haben, warum ein Berufsverbot die Wiege weitere, viel gravierender Probleme sein würde. Ich habe jedoch beschlossen, diesen Kampf gegen Windmühlen nicht aufzugeben, weshalb ich mich einer anderen, doch auch gerne verharmlosten Krankheit bedienen werde, um den Denkfehler offensichtlicher zu machen.

Eine Krankheit ist eine Krankheit ist eine Krankheit

Nehmen wir doch einfach an, dass der Co-Pilot nicht depressiv war, sondern unter Asthma gelitten hat. Der Pilot verlässt die Kabine, da er für kleine Jungs will, oder um mit einer der Stewardess zu flirten. Der Grund für die Abwesenheit des Piloten ist letztlich egal. Was wichtig ist – der Co-Pilot ist allein. Die Ärzte wissen, dass der Co-Pilot Asthma hat, doch die Behandlung ist von der Gesellschaft stigmatisiert, das Fliegen unter Einfluss von Asthma-Spray ein moralisches Minenfeld und die Krankschreibung nur prophylaktisch. Der Co-Pilot bekommt einen Asthma-Anfall. Der Pilot versucht ins Cockpit zurück zu kommen, doch der Co-Pilot befindet sich in einem Erstickungszustand, welcher ihn zum wilden Herumschlagen und Drücken von Knöpfen verleitet. Hierbei verschließt er die Tür, anstelle diese zu öffnen und es kommt zum äußersten – die Maschine stürzt ab, 150 Menschen sterben. Nach Tagen erst stellt sich heraus, dass der Co-Pilot aufgrund seiner Krankheit diese Tragödie verursacht hat. Die Frage, welche alle beantwortet wissen wollen ist: Wie verhindern wir, dass so etwas je wieder passiert?

Fordern wir ein Berufsverbot für Asthmakranke? Oberflächlich betrachtet mag das helfen. Sehen wir uns die Sache jedoch genauer an, ist es viel wahrscheinlicher, dass asthmakranke Piloten alles daran setzten werden, damit ihr Asthma nicht erkannt und nicht gemeldet wird, damit sie weiter fliegen können. Dies hätte dann die Folge, dass diese Piloten keine Chance auf eine Behandlung mehr haben und noch mehr asthma-verschuldete Unfälle Flugzeuge vom Himmel holen. Auch dies kann man durch strengere Kontrollen, bessere Tests und genauere Beobachtung beheben. Doch man wird niemals alle „erwischen“ und die Gesellschaftlichen Folgen der Stigmatisierung von Asthmakranken sind kaum auszumalen.

Alles in allem ist es ein fast schon lächerliches Szenario. An Stelle von Berufsverboten und Untersuchungszwang ist es doch wesentlich sinnvoller eine höhere Dichte an Pneumologen zu schaffen um jeden Kranken mit der richtigen Therapiemöglichkeiten und den richtigen Medikamenten zu versorgen. Denn unbehandelt führt diese Krankheit zum Tod. Eine Heilung ist nicht möglich, doch mit der richtigen Behandlung ist diese Krankheit sehr gut in den Griff zu bekommen. Genauso wie die Depression.

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