Radfahren ist für Lebensmüde

Ich fahre jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit. Die Strecke ist 7,3 km lang und ich brauche in der Regel zwischen 20 und 30 Minuten, je nach dem wie fit, wach und/oder gelaunt ich bin. Für die Rücktour brauche ich in der Regel etwa 5 Minuten länger als für die Hintour. Dies liegt nicht daran, dass ich am Ende des Arbeitstages etwa müde bin, sondern viel mehr an den anderen Verkehrsteilnehmern. Und von genau diesen möchte ich heute erzählen. 

Pussy on Tour

Es gibt eine Sorte Frau, die ich nur als „Pussy on Tour“ bezeichnen kann. Es sind Mädels die irgendwo zwischen 20 und 30 Jahre alt sind, ein sehr mädchenhaftes Fahrrad fahren, welches gerne pink ist oder zumindest mit Blümchen oder ähnlichem beklebt. Manchmal hat Pussy auch Fransen am Lenkrad. Wobei das alleine noch nicht schlimm ist. Ich fahre selbst ein weißes Rad mit roten Blumen drauf und würde der Mann mich nicht davon abhalten, wären da auch Fransen am Lenkrad. Das Problem mit Pussy ist aber, dass sie eine Seltenfahrerin ist. Pussy hat sich irgendwann mal das Fahrrad gekauft weil es „ach so toll“ ist, danach hat sie es in den Keller gestellt und sie holt es dann zwei oder drei Mal im Jahr raus, bevorzugt zwischen Mai und September. Pussy hat also keinerlei Kondition und koppelt das gerne mit Orientierungslosigkeit.

Meistens sehe ich eine von ihnen also von hinten, während sie in Schlangenlinien vor mir her fährt, sich einen abstrampelt und gleichzeitig versucht auf ihrem pinken Smartphone zu ergooglen wo sie überhaupt lang fahren muss. Manchmal ist Pussy auch am Telefonieren oder Nachrichten-Tippen, was ebenfalls ihre Qualifikation zum vernünftigen Verkehrsteilnehmer schmälert. Pussy scheint immer dann aufzutauchen, wenn der Radweg besonders schmal ist und ich spät dran bin. Leider versteht sie auch nicht, was es heißt, wenn man hinter ihr her fährt und klingelt. Sie benutzt keine Handzeichen und schaut auch nicht, ob einer hinter ihr am Beschleunigen, oder gar Überholen ist, wenn sie kurzfristig entscheidet abzubiegen. Pussy ist eine Gefahr für ihre Umwelt.

Der Typ mit dem Panzer

Kürzlich (heute) fuhr ich auf dem Weg zur Arbeit gewohnt meine übliche Strecke entlang. An einer Stelle, wo der Radweg in einen Wende-Kreis-Dings für Busse mündet und die Radfahrer die Straße benutzen sollen. Mir entgegen kam ein Bus, der offensichtlich wenden wollte und ebenso offensichtlich keine Vorfahrt hatte. Das interessiert den Typen, der ca. 28 Tonnen Bus unterm Arsch hat natürlich nicht die Bohne. Er zieht einfach durch, ohne Rücksicht auf Verluste. Ich gehe natürlich in die Eisen, stelle mein Fahrrad quer um vor dem Pisser anhalten zu können und hinterlasse hierbei natürlich einen Teil meines Reifens auf dem heißen Teer. Der Vollidiot besitzt noch die Frechheit zu hupen. Ich erhole mich von dem Schock sehr schnell und fahre natürlich wie gewohnt weiter. Da will mir der Pisser schon wieder die Vorfahrt nehmen als er aus dem Wende-Kreisel-Ding raus kommt, doch leider bin ich schon halb drüber. Er hupt, ich zeige ihm die länge meines Nagels des mittleren Fingers. Dies scheint ihn richtig wütend zu machen, also hupt er noch ein paar mal, beschleunigt, klebt mir förmlich an den Fersen, so dass wenn ich auch nur ein wenig langsamer werde, er mich problemlos zum Pfannkuchen macht.

Und da sitzt du da, und strampelst um dein Leben, nur weil einer die Verkehrsordnung nicht kennt und nie gelernt hat, dass Größeres Auto NICHT automatisch Vorfahrt bedeutet und offenbar auch bislang keines besseren belehrt wurde. Problematisch ist nur, dass viele Personen, die große Fahrzeuge fahren, mich kleinen Radfahrer immer wieder durch Aktionen wie „der zeig‘ ich’s mal“ an den Rand des Todes bringen. Denn es mag zwar „witzig“ sein, einen Radfahrer zu jagen, doch wenn meine Kette reißen sollte oder was ähnlich Unerwartetes passieren würde, schafft der Typ hinter mir mit seinem verdammten Panzer nicht rechtzeitig zu bremsen. Und mein Mann kann mich dann am Friedhof besuchen, denn wirklich was aufzusammeln ist dann nicht mehr da.

Shit happens

Alles in allem passiert es täglich, dass ich entweder von Fußgängern, anderen Radfahrern oder Autofahrern in die Verlegenheit gebracht werde, die mir seitens der Verkehrsordnung zugeschriebenen Rechte nicht wahrnehmen zu können. Doch bevor ich einen Fußgänger überfahre, bremse ich, selbst wenn er mitten auf dem Radweg steht. Bevor ich mit einem Radfahrer kollidiere, bremse ich, selbst wenn er mir direkt vors Rad lenkt. Und bevor ich von einem Autofahrer überrollt werde, bremse ich, auch wenn er mir die Vorfahrt nimmt. Man kann ja noch so sehr im Recht sein, es ändert nichts daran, dass Unfälle die man als Radfahrer erleidet immer weh tun und häufig auch narben hinterlassen. Und bevor ich mit dem Gesicht auf der Straße lande, bremse ich lieber.

So ist es für alle Beteiligten am einfachsten.

3 thoughts on “Radfahren ist für Lebensmüde

  1. Im Falle von Busfahrern hilft es eigentlich sehr gut, eine kurze Mail an die Betreibergesellschaft (in Deinem Fall der HVV, nehme ich an?) mit Zeit, Ort und Buslinie zu schicken und dort den Vorgang zu schildern.
    Die nehmen sich ihre Fahrer da dann auch zur Brust, verstehen keinen Spaß, wenn es um Verkehrsregeln geht. Zumindest klappt das hier in HB sehr gut.

    • In dem Fall war es die Hochbahn, die sind da in der Tat ganz gut, was den Service angeht. Allerdings gibt es in Hamburg gefühlte 500 kleine Busunternehmen, die alle Mitglied im HVV sind. Zusammen mit Hochbahn und der Deutschen Bahn, wobei letztere ja nur die S-Bahn betreibt.

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