Wie ich zu dem Beinamen „Blaubein“ gekommen bin

Ich schrieb schon mal, dass ich täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit fahre. An den meisten Tagen ist es ereignislos. Im Sommer habe ich vermehrt mit seltsamen Leuten zu tun die mein Tag mit rumgefluche „versüßen“. Doch hin und wieder gibt es Tage, an denen ich von ganz anderen Problemen geplagt werde, und von einem dieser Tage möchte ich hier berichten. 

Es ergab ich am vergangenen Freitag, dass ich morgens aus dem Fenster blickte und beschloss, ein Kleid anzuziehen. Das Wetter war zwar nicht überragend, doch das war mir egal. Ich hatte mir am Vortag ein Kleid gekauft und dieses wollte getragen werden. Ich stieg also auf mein Fahrrad, fuhr bis zur ersten Kreuzung und stieg wieder ab, um auf grünes Licht zu warten. Nun sollte an dieser Stelle gesagt werden, dass der Trick bei der Rock-Fahrrad-Kombination darin besteht, sich hinten auf den Rock drauf zu setzen, dann weht der nicht hoch. Ich weiß zwar nicht warum genau das funktioniert, denn rein logisch betrachtet müsste ja der obere Teil genauso von einem Luftzug erfasst und hochgeweht werden können, doch es funktioniert einfach. Die Ampel wechselte also auf Grün und ich fuhr los. Als ich schon halb auf der anderen Seite war, merkte ich dass ich mich nicht hinten auf das Kleid gesetzt habe und merkte, wie es hochgeweht wurde. Ich tat also das, was jedes wohlerzogene Mädchen ohne auch nur zu überlegen tut: Ich versuchte mein Kleid zu bändigen. Hierfür hob ich meinen Hintern vom Sattel und versuchte – mit der Rechten – das Kleid hinten über den Sattel zu streichen und mich drauf zu setzen. Dabei hab ich anscheinend das Lenkrad versehentlich rumgerissen, denn mein Fahrrad verwandelte sich plötzlich in ein ungezähmtes Ungetüm, welches bockig wie ein junges Fohlen nicht länger das tat, was ich von meinem Fahrrad erwarte. Ich tat das, was ich immer tue, wenn irgendwas falsch läuft: Bremsen. Leider bremste ich mit der Linken (also mit der Vorderbremse), worauf das Hinterrad an meinem rechten Bein vorbei wollte und – ich könnte es schwören – angrinste und „LOL ich bin schneller!“ rief. Mein Bein war aber dazwischen und das Rad hatte ein bisschen Wucht an sich. Ich muss ehrlich sagen, ich weiß nicht mehr wie genau ich das hinbekommen habe, doch ich fiel nicht hin. Irgendwann kam ich endlich auf die Idee das Rad los zu lassen und weg zu hüpfen, doch an diesem Zeitpunkt war ich schon schmutzig, verbeult und habe aus einer Schürfwunde leicht geblutet.

Doch eine Nett lässt sich von solchen Banalitäten nicht entmutigen! Ich strich also mein Kleid zurecht und sammelte mein Fahrrad wieder auf. Als ich jedoch aufgestiegen und die ersten Meter gerollt bin, merkte ich schon bald, das das vordere Schutzblech verzogen ist und am Rad scheuert, was ein erbärmliches Quetschen verursachte. Ich habe im Rahmen meiner Möglichkeiten versucht dies wieder in den Griff zu bekommen, doch meine Möglichkeiten waren nicht ausreichend. Ich – schmutzig und verbeult – stieg also auf das jaulende Fahrrad und fuhr zur Arbeit. Der Lärm, welcher von meinem Rad ausging war so Ohrenbetäubend, dass sich buchstäblich Jeder, dem ich auf meinem Weg begegnete, nach mir umsah und mich bemitleidend anblickte, was mir schon sehr bald das Gefühl gab, meine eigene, persönliche Shame-Nonne zu haben.

Am Abend ging ich zum Yoga. Da es das Bikram-Yoga (bei 40°C) ist, trage ich keine traditionelle Yoga-Hose, sondern eine, die sehr kurz ist, was das ausmaß der Tragödie nur noch unterstrich. Mein Mann – welcher ebenfalls zum Yoga geht – schaute mich an, lachte und nennt mich seit dem „Blaubein“. Ich würde über die ganze Sache sicherlich noch besser lachen können, wenn mein Bein nicht bei jedem Schritt weh tun würde, denn alles in allem war die Sache in der Tat sehr skurril gewesen. Und weil jeder blaue Fleck immer eine Lektion ist, habe ich sehr viele Lektionen bekommen, die mir alle sagen: „trage nie wieder ein Kleid!“

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