Nazis, Podcast und ein Film: Wer ist Dr. Axel Stoll?

Ich habe von diesem Stoll nie was gehört. Ich habe seine Videos nicht gesehen und ich bin über seine Bücher nicht gestolpert. Ich bereue dies auch keineswegs, denn meine Zeit ist mir viel zu kostbar um sie für Verschwörungstheoretiker und braune Esoterik zu verschwänden. Warum ich mich doch mit dieser Person, diesem Axel Stoll befasse? Nun, dies ist eine etwas längere Geschichte…

Es fing an mit einem Podcast

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Angebliche Nazi-Flugscheibe

Ich habe vor einigen Jahren angefangen den Hoaxilla Podcast zu hören und habe ihn auf Anhieb toll gefunden. „Das Ehepaar Hoax“ – Alexa und Alexander Waschkau – klären die diversesten Mythen und urbane Wandersagen auf, welche einem auf die ein oder andere Weise begegnen, ohne dass man vielleicht die Zeit und/oder Kraft hinein investieren möchte um herauszufinden, ob an der Geschichte wirklich was dran ist. Gleichzeitig haben sie im laufe der letzten Jahre auch immer wieder dafür gesorgt, dass ich von Themen erfuhr, von denen ich vorher nichts wusste. Eines dieser Themen waren die „Nazi-Flugscheiben aus Neu-Schwabenland„. Ich fand es gleichermaßen amüsant wie auch albern und hab‘ mir nichts weiter bei gedacht, doch plötzlich waren die Nazi-Flugscheiben überall. Mit dem Film „Iron Sky“ kamen sie ins Kino und erreichten gar eine art Kult-Status. Zwar geht es in dem Film um Nazis die auf der dunkeln Seite des Mondes leben und plötzlich die Erde erobern möchten, doch da haben wir wieder diese Flugscheiben, die mir seit dem immer mehr über den Weg liefen.

Muss man wissen! – Das Stoll-Buch

Anfang 2014 hörte ich dann zum ersten Mal von Dr. Axel Stoll. Der Name sagte mir rein gar nichts. Dieses „Dr.“ lies mich auch schmunzeln. Der Mann möchte sich eindeutig wichtig machen, wenn er des Titel außerhalb wissenschaftlichen Betriebs führt. Mein Wille tiefer in die Materie einzusteigen hielt sich auch in Grenzen.

Muss man wissen! Ein Interview mit Dr. Axel Stoll

Muss man wissen! Ein Interview mit Dr. Axel Stoll

Ich ließ also von dem Thema ab und vergass Dr. Axel Stoll so schnell, wie er auf meiner Bildfläche aufgetaucht war. Zum Geburtstag dann – im Mai 2014 – tauchte diese „Muss man wissen!“ wieder auf. Dieses Mal in Form eines Geschenks. Und wieder stellte sich mir die gleiche Frage wie schon zuvor: „Muss man den Vogel eigentlich kennen?“ Ich habe angefangen das Buch zu lesen. Fußnoten noch und nöchter, die immer mehr die Person Axel Stoll zerstückeln und zersetzen. Jede seiner Aussagen ist vollkommener Blödsinn – um das zu sehen muss ich nicht studiert haben. Auch die immense Recherchearbeit die in dieses Buch eingeflossen sein musste hielt ich für überflüssig. Da hätten das Ehepaar Waschkau und Sebastian Bartoschek ihre Zeit in was sinnvolles investieren sollen. Dass das rechter Propaganda mit alberner Eso-Mischpoke ist, das sieht ein Blinder mit Krückstock. Ich lag das Buch auf den „Lese ich, wenn es Stromausfall gibt und die guten Bücher weg sind“-Stapel. Ab und an blätterte ich darin rum, las die ein- oder andere Stelle und amüsierte mich köstlich über diesen Axel Stoll, doch meist gingen mir seine Thesen sehr schnell auf die Nerven.

Die Stoll-Film-Premiere

Muss das echt sein?“ dachte ich mir, als ich zuerst davon hörte, dass die Waschkaus zusammen mit Bartoschek aus dem Interview nun einen Film machten. Ich konnte mir das alles noch nicht so richtig vorstellen, doch die Premiere sollte in Hamburg sein, also meldete ich mich an und ging zusammen mit ein paar Leuten hin. Vor dem Film wurde die Einleitung des Buches gelesen. Dann kam der Film, in welchem die Aussagen Dr. Stolls immer wieder durch Experteninterviews unterbrochen wurden und – schlicht gesagt – Stoll diskreditierten. So weit so gut. Ich stellte schon bald fest, dass Stoll mehr erzählte als die Experten „zersetzen“ konnten und ehrlich gesagt ärgerte mich das. Es ärgerte mich, dass Waschkau und Bartoschek so ruhig da saßen und immer tiefer in die Spinnereien von Stoll einstiegen. Es fiel mir schwer sitzen zu bleiben und nicht „BULLSHIT!“ brüllend auzuspringen, während ich gleichzeitig die ganze Zeit dachte „Dieser Stoll verarscht die beiden doch! Keiner kann diesen Kram ernst meinen!“ Nach dem Film kam eine kurze Pause, worauf die Fragerunde folgte. Die Experten – zumindest einige von Ihnen – so wie die Filmemacher gaben ihr Bestes die Fragen des Publikums so ergiebig und informativ wie möglich zu beantworten. Mein erster Impuls war zu fragen, wie die beiden – Sebastian Bartoschek und Alexander Waschkau – es geschafft haben, bei dem Interview ernst zu bleiben. Mein zweiter Impuls war es, sie zu schelten, dass sie diesem Spinner eine Bühne geben, seinen Namen wie auch seine Thesen an immer mehr Leute bringen indem sie jetzt auch noch diesen Film verbreiten. Dass sie den rechten Flugscheiben-Scheiß jetzt auch noch Salonfähig machen, und damit gleichsam den Nationalsozialismus in ein duldsames Licht rücken. „Was? Die Nazis? Ja, schlimm mit dem Holocaust, aber die Flugscheiben, ja die waren cool!“ war einer der Sätze, welche sich vor meinem inneren Auge formte und gleichsam meine Zehennägel zum hochrollen brachte. Doch meine Bestürzung verflog, als mir eine Sache klar wurde: kein Mensch der bei klarem Verstand ist, wird an die Nazi-Flugscheiben glauben. Kein Mensch der an UFOs glaubt, wird sich mit den Nazi-Ufos befassen wollen, weil er die braune Suppe nicht anfassen will (siehe Video weiter unten). Und die Spinner die immer wieder hochkochen, kann man am Beispiel Stolls sehr gut diskreditieren. Plötzlich wandelte sich der Film in meiner Wahrnehmung. Wenn ich einen Stoll belächele, mir meinen Teil denke und sein Video weg klicke passiert genau gar nichts. Er wird weiter vor seinen Jüngern predigen und immer mehr Zuhörer finden. Doch wenn ich mich mit ihm befasse, seine Thesen untersuche und zerpflücke, ihn offen diskreditiere und es öffentlich verbreite erreiche ich etwas, das sehr wichtig ist: ich sorge dafür, dass uninformierte Menschen welche vielleicht nicht die Lust dazu haben selbst Stolls Thesen zu untersuchen die Möglichkeit bekommen auf einfachen wegen herauszufinden, ob da was dran ist oder nicht. Ich biete die Chance komplexe Themen auf einfache Weise zu verstehen. Und genau das haben Sebastian Bartoschek zusammen mit Alexa und Alexander Waschkau und vielen im Film vertretenen Experten getan: Sie haben ihre akademischen Grade gegen den von Stoll gehalten, haben mit Wort und Bild gegen seine Behauptungen argumentiert und diese Argumente mit Fakten untermauert. Dass sie Axel Stoll nicht mit Fakten konfrontiert haben und diese erst nachträglich zufügten ist verständlich – bei dem ersten Kontra hätte der Mann dich gemacht und das Interview wäre nach kürzester Zeit vorüber. Auch wenn ich gerne Stolls Gesicht gesehen hätte, wenn man ihm mal so richtig die Meinung zu seinen Flugscheiben geigt…

Der Film

Alexander Waschkau hat zu dem Stoll-Film ein Interview bei der Sendung „Netzprediger“ des Online-Portals massengeschmack.tv gegeben. Diesen Ausschnitt empfehle ich wärmstens, denn es bietet sowohl einen guten Einblick in die abgefahrene Gedankenwelt von Axel Stoll, so wie Aufschluss darüber wer er eigentlich ist und was seine Theorien sind. Weitere Infos – und vor allem den Film – findet man hier.

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