Die Welt in ihren Augen

Sie küsste mich. Sie hatte mich eigentlich gar nicht zu küssen und trotzdem legte sie ihre weichen Lippen auf meine und drückte sanft ihre Zunge in meinen Mund. Ich stöhnte. Ich wollte es nicht, aber es passierte trotzdem. Ich stöhnte und sie zog mich an sich und ich legte meine Hand auf ihre Brust.

Sie wollte hier nur schlafen. Das hatte sie gesagt. Nur schlafen. Als ob es zu unterstreichen wäre, dass sie nichts weiter möchte, als sich unter die Decke zu legen und die Augen zu schließen. Ihr Kopf auf meinem Kissen. Nein, sie bekommt ihr eigenes Kissen. Aber die Decke teilen wir uns. Die Party war eh nicht so toll und ihre letzte Bahn war gefahren und sie fragte mich, ob sie bei mir schlafen kann. Nur schlafen. Sie lachte. Ich habe geschmunzelt. Es war klar, dass sie nur schlafen würde. Jemand wie sie wird nie mehr tun, als bei jemandem wie mir nur zu schlafen. Also warum würde sie das so betonen? Ich dachte nicht weiter drüber nach als wir zu mir fuhren. Sie plapperte fröhlich über alles Mögliche und ich hörte ihr die längste Zeit einfach nur zu. Ich bot ihr das Sofa an, aber sie meinte, sie möchte lieber bei mir schlafen. Also legten wir uns hin. Ob es okay ist, sich an mich zu kuscheln, wollte sie wissen. Ich nickte nur, doch im Dunkeln hatte sie es trotzdem erkannt. Sie schmiegte sich an mich, legte meine Hand auf ihre Hüfte. Ich war wie erstarrt, wusste nicht was ich tun soll, dann spürte ich ihre Nägel auf meinem Schenkel. Sie kratzte eher, als dass sie gestreichelt hat und noch eher ich was tun konnte, spürte ich ihre Zunge in meinem Mund. Ich zog sie an mich. Dann fanden meine Finger das Piercing in ihrer Brustwarze. Ich kniff, sie gab einen Schmerzenslaut von sich und lachte kurz bevor sie mich wieder küsste. Ich weiß gar nicht wie es genau geschah, doch dann waren meine Finger zwischen ihren Beinen. Sie stöhnte. Meine Finger glitten in sie. Sie stöhnte lauter. Ich hielt sie mit dem anderen Arm an mich gedrückt. Ihr Stöhnen wurde tiefer. Lauter.  Schneller. Sie presste sich an meine Hand. Sie schrie. Sie kam. Ich hielt sie eine Weile lang in meinen Armen und keiner von uns sagte was. Sie zog sich nicht wieder an. Ich weiß gar nicht mehr ob ich sie ausgezogen habe, oder ob sie sich selbst auszog. Es war mir egal. Alles was zählte war ihr warmer Körper der an mich gedrückt unter der Decke lag. Sie war so weich. Ihre Haut nahezu makellos. Sie schlief ein und kurz darauf schlief auch ich ein.

 

Ich wurde vor ihr wach. Sie lag noch immer in meinem Arm. Ich wollte sie nicht wecken, auch wenn ich sie küssen wollte. Und dann traf es mich: Werde ich sie überhaupt noch küssen können? Was war das überhaupt gestern Nacht? War es lediglich der Alkohol, oder wollte sie wirklich mich? Jemand wie sie würde mich nicht wollen, also muss es etwas Anderes sein. Doch sie sagte „nur schlafen“, als würde es die Welt bedeuten. Ich wollte sie wecken, doch ich hatte Angst. Ich wollte nicht in dieses wundervolle Gesicht blicken und sehen, dass sie sich schämt. Dass es ihr unangenehm ist, in meiner Nähe zu ein. Dass ich gleich schon zu einer ihrer Geschichten werde, die sie nur zu gerne lachend erzählte. Ich wollte, dass das was wir hatten etwas Besonderes ist. Es musste nichts Festes werden. Es wäre okay, wenn sie danach für immer weg wäre. Nein, das nicht. Egal was. Nur keine Angst in ihrem Blick…

 

Sie öffnet ihre Augen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.